Bernhard Baumeister
Meister der Antwerpener Bartzwergzucht

Bernhard Baumeister ist ein bekannter Mann. Nicht nur in Nordhorn und Umgebung. Rassegeflügelzüchter in ganz Deutschland kennen seinen Namen. Und auch in den benachbarten Niederlanden und in Belgien hat er viele Bekannte und Freunde.
Persönlich kennen gelernt habe ich Bernhard Baumeister vor einigen Jahren auf einer Geburtstagsfeier. Damals wurde der 1. Vorsitzende des SV der Züchter Antwerpener Bartzwerge, Antonius Lütkehellweg, 50 Jahre alt. Über Bernhard Baumeister gelesen habe ich allerdings schon viel früher eine ganze Menge – und eigentlich immer nur Gutes. Kürzlich habe ich wieder mit ihm telefoniert. Er hat sich nicht geändert, auch wenn er jetzt siebzig wird: Er ist aufmerksam und freundlich wie immer und er ist immer noch von ganzem Herzen Rassegeflügelzüchter und Bartzwerg-Liebhaber.
Menschen wie Bernhard Baumeister braucht die Rassegeflügelzucht. Unter großem persönlichem Einsatz sorgen sie nicht nur züchterisch, sondern auch organisatorisch dafür, dass die Begeisterung ihrer Mitmenschen für den züchterischen Umgang mit Rassegeflügel nicht erlischt, sondern immer wieder neu entfacht wird. Sie sind Wegweiser und Visionäre, ohne die die Rassegeflügelzucht nicht existieren könnte.
Geboren wurde Bernhard Baummeister am 8. September 1936 in Denekamp in den Niederlanden. Als Jugendlicher kam er 1953 zur Rassegeflügelzucht, als er dem RGZV Nordhorn beitrat. Sein züchterisches Interesse galt zunächst den gestreiften Italienern und den schwarzen Zwergwyandotten. Auf einer Kreisschau in Lingen sah er dann schwarze Antwerpener Bartzwerge, die ihm auf Anhieb gefielen. Er besorgte sich Zuchtstämmchen bei Wilhelm Knieper und ist seit der Zeit den Antwerpenern – vor allem den „schwarzen Teufelchen“, wie der Zoodirektor und Naturfilmer Prof. Dr. Dr. Bernhard Grzimek seine schwarzen Antwerpener liebevoll nannte – treu geblieben.
Nach ersten züchterischen Erfolgen übernahm er auch organisatorische Aufgaben innerhalb des Vereins. In seinem Heimatverein dem RGZV Nordhorn leitete er von 1967 bis 1973 als Jugendwart die Jugendgruppe. Ab 1974 war er für zwei Jahre als stellvertretender Vorsitzender tätig, um dann ab 1976 den Verein als 1. Vorsitzender zu leiten. Dieses Amt hatte er bis zum Jahre 2001 inne. Bernhard Baumeister war ein engagierter Vorsitzender. Unter seiner Amtsführung blühte der Verein auf. Es wurden Lokal- und Kreisschauen durchgeführt.
Aber auch an größere Aufgaben wagte sich Baumeister heran. 1964 war er in den SV der Züchter Antwerpener Bartzwerge eingetreten und war dort zeitweise als Pressewart im Vorstand tätig. Daher war es nur logisch, dass Baumeister auch Sommertagungen des SV nach Nordhorn holte, so geschehen im Sommer 1983 und 1995. Im Jahr 2000 fand auch die 34. HSS des SV in Nordhorn statt.
Bernhard Baumeister hat schon immer Kontakt zu Zuchtfreunden in Belgien und den Niederlanden gehabt und ist seit über zwanzig Jahren Mitglied im niederländischen Antwerpsche Baardkrielen Club, dem so genannten ABC-Club. „Unsere belgischen und niederländischen Zuchtfreunde sind alle ein bisschen lockerer, was Farbenschläge und Typ angeht. Da dürfen schon mal kleinere Fehler vorkommen. Die sehen das nicht so eng wie wir hier in Deutschland“, verriet er mir am Telefon. „Aber unser Bartzwergbuch ‚Die bunte Welt der Antwerpener Bartzwerge’ wird dort gern gelesen, weil unsere Standards klar beschrieben sind. Ich habe schon über 30 Exemplare dort verkauft oder verschenkt.“
Im Gegensatz zu seinen belgischen und niederländischen Zuchtfreunden gibt es für Bernhard Baumeister bei der Zucht keine Kompromisse. Mit seinen Tieren errang er höchste Auszeichnungen. Zu seinen wertvollen Trophäen zählen unter anderem Blaue Bänder aus Hannover und diverse Siegerbänder. Er darf sich auch mit klangvollen Titeln wie „Deutscher Meister“ und „Europameister“ schmücken, die ihm aufgrund seiner vorbildlichen züchterischen Leistungen verliehen wurden.
Mit der Zucht nimmt er es ernst. In seiner vorbildlichen Zuchtanlage tummeln sich immer Antwerpener Bartzwerge in mindestens vier Farbenschlägen. Ständig sucht er nach Verbesserungen im Farbenschlag und im Typ. Dass er aber auch ein Mann mit Visionen und festen Zielen ist, beweist die Herauszüchtung eines neuen Farbenschlages – gelb mit weißen Tupfen -, an der er seit 1992 arbeitete und die im Jahre 2000 mit der Anerkennung durch den BZA belohnt wurde.
Gelb-weiß getupfte Antwerpener Bartzwerge wurden zwar bereits 1980 von Antonius Lütkehellweg aus Langenberg erzüchtet. Die Linie wurde aber ohne Anerkennung durch den BZA wieder aufgegeben. Die Tiere wurden an Züchter aus Belgien und den Niederlanden verkauft.
So verwundert es nicht, dass Bernhard Baumeister die ersten Tiere für seine Neuzüchtung der Gelb-weiß getupften aus Belgien erhielt. Diese Tiere waren aber bei weitem nicht so, wie Baumeister sich seinen neuen Farbenschlag vorgestellt hatte. Mit unendlicher Geduld und auch mit viel Ehrgeiz schaffte er es nach dem Motto „Geht nicht - gibt’s nicht“, den von ihm erträumten neuen Farbenschlag als jüngsten Farbenschlag zur Anerkennung zu bringen (siehe dazu: „Die bunte Welt der Antwerpener Bartzwerge“, Langenberg 2003, S. 128-131).
Aber nicht nur mit züchterischen Glanzleistungen hat sich Bernhard Baumeister hervorgetan. Auch durch Abgabe von Bruteiern und Tieren, durch Tipps und Ratschläge hat er sich um die Verbreitung der Antwerpener Bartzwerge verdient gemacht.
Es blieb daher nicht aus, dass seine Verdienste um die Zucht auch entsprechend gewürdigt wurden. 1997 ernannte man ihn zum Meister des LV Weser-Ems. Im Ortsverein Nordhorn wurde Baumeister 2001 Ehrenvorsitzender. Im Juni 2003 wurde ihm auch der Titel „Meister der Antwerpener Bartzwergzucht“ verliehen. Es ist eine wohl verdiente Auszeichnung für einen Mann, der in der Praxis und im Verband Vorbildliches geleistet hat.
Auch jetzt noch ist er nicht leid, sich an neue Aufgaben heranzuwagen. Zwar ist er mit der Betreuung seiner Zuchtstämme der Antwerpener Bartzwerge in den Farbenschlägen Schwarz, Blaugesäumt und Gelb mit weißen Tupfen hinreichend ausgelastet. „Aber auch die Watermaalschen liegen mir am Herzen“, verriet er mir am Telefon. „Ich versuche gerade, den blaugesäumten Farbenschlag noch hier und da zu verbessern.“
Und auch dies weist ihn als einen wahren Tierfreund aus: Seit Jahren ist Bernhard Baumeister im Förderverein des Tierparks Nordhorn, wo - Sie werden se schon geahnt haben - natürlich auch Antwerpener Bartzwerge zu sehen sind.
Dieter Keller
Juli 2006
Juli 2006